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| Ein Zuhause. |
Ein Soziologe sagt, die Heimat ist ein konstanter Rückzugsort, ein Ort den man auswendig kennt und dem man Vertraut. Im Idealfall ist Sie die der ultimative Ort des Ich-Seins. Ein Anthropologe sagt, es ist vornehmlich das eigene Territorium, der eigene Besitz, die eigene Sicherheit. Ein Existenzialist hebt die eigene Welt hervor, das eigene Empfinden von Zeit und Raum, die Ausblendung des Alltags. Das Nicht-Fremde. Im mittelalterlichen Deutschland bezeichnete Heimat nichts weiter als das Bleiberecht, sehr sachlich also. Außerdem sind auch Pflanzen und Tiere irgendwo beheimatet, dort wo sie wachsen und gedeihen, immer genug zu fressen kriegen. Ähnlich wie ein Besuch bei den Eltern, traditionell gerne mit Essen und Wohligkeit verbunden – im Idealfall. Auch sind ein Zuhause und Heimat nicht unbedingt gleichzusetzten, ein künstlicher Lebensraum kann genauso als Belastung angesehen werden wie die Obdachlosigkeit. Es gibt Nomadenvölker die, Zeit ihres Lebens, nie ein festes Zuhause hatten und haben werden, die sich noch nie ein Nest gebaut haben, für die eine Schlafunterkunft einen reinen pragmatischen Charakter hat. Haben diese Menschen eine Heimat? Legen sie Wert darauf? Es scheint auch, dass unser Verlangen nach der Gleichstellung von Zuhause und Heimat hausgemacht ist. In unserer Wohlstandswelt wird uns schon im Mutterleib beschrieben, wie schön es ist, dieses Gefühl nie wieder zu verlieren, your home is your castle - und das seit der Verherrlichung von Besitztümern.
Mir scheint diese Art des Denkens ein Trugschluss zu sein, nicht, dass der Verlust eines Zuhauses nicht der Verlust der Heimat sein kann, es muss nur nicht so sein. Einige finden ihr Zuhause in ihrem Gegenüber und es gibt Menschen, die unentwegt reisen, mit Rucksack und Austronautennahrung durch Urwälder streifen und irgendwo an einer Weggabelung für einen Moment etwas wahrnehmen, was sie von nun an als Heimat bezeichnen werden – ein situatives Gefühl also. Diese Art von ‚wo gehöre ich hin‘ –Gefühl ist zwar nicht freier, aber immerhin flexibler als die gängige Version aus Backsteinen und Zement. Vielleicht fühlen viele von uns ja falsch? Vielleicht nutzen wir unsere Wahrnehmung falsch, vielleicht müssen wir die Dinge besser zuordnen. Was nützt uns exzessives Nestbauen, wenn wir hinterher immer noch nicht glücklicher sind, wir noch immer das Gefühl haben, dass uns etwas fehlt, ungreifbar und schwer erklärlich.
Und warum beschränken wir uns größtenteils auf eine Heimat, beheimatet sein ist ein wunderbares Gefühl, warum es nicht auf mehrere Möglichkeiten aufteilen? Letztlich bleibt mir noch die Frage, ob Rastlosigkeit grundsätzlich mit Heimatlosigkeit gleichgesetzt werden sollte, vielleicht hat die Kindheit kein wärmendes Umfeld mit sich gebracht und es wurde einfach nicht gelernt, wie sich so etwas anfühlt, vielleicht muss das aber auch gar nicht sein, vielleicht ist das Gefühl der Rastlosigkeit selbst schon ein heimatliches Gefühl – etwas das man kennt, das man gewohnt ist, etwas vertrautes.
Ich weiß es nicht und beende dies daher mit einem Bild, einem kleinen Einblick in Teile meiner Heimat.
| Eine Erinnerung. |

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