Freitag, 9. März 2012

#3 - Kowloon Walled City


Vor ungefähr zwei Jahren habe ich nicht zum ersten und absolut auch nicht zum letzten Mal meinen wertvollen Schlaf gegen das Internet eingetauscht. Und wie ich nun surfte durch finstere Nacht – ein Fenster sich hat aufgemacht. Ich muss das in Anlehnung an den wunderbaren Theodor Storm formulieren, denn genauer rekonstruieren kann ich meine Begegnung mit dieser ehemaligen Stadt nicht.
Ich fand nun also mitten in der Nacht heraus, dass es eine Stadt gab, besser gesagt, einen Stadtteil auf Hong Kongs Halbinsel Kowloon: Hak Nam, Stadt der Dunkelheit – oder besser bekannt als Kowloon Walled City, die eingemauerte Stadt. 


 

Die Geschichte dieser Stadt ist ebenso bewegt wie außergewöhnlich, ursprünglich als chinesischer Militärposten gedacht, avancierte dieser nur  0,025 Quadratkilometer große Flecken Erde zum am dichtesten besiedelten Lebensraum der Welt. Kurz vor ihrem Abriss, 1993, schätzte man ihre Einwohnerzahl auf mindestens 33000 Einwohner – das entspricht einer Bevölkerungsdichte von 1,3 Mio. Einwohner auf einen einzigen Quadratkilometer. Das Gesetzt Chinas, bzw. Hong Kongs galt hier nicht (keine Steuern) und die Gesetzeslosigkeit sowie mafiöse Strukturen der Triaden waren hier normal.
Die Stadt beherbergte Ihre eigenen Kindergärten, Schulen, Bäckereien, Schlachtereien und was man in urbanen Strukturen eben noch so braucht. Hak Nam war im Grunde Autark.
Am faszinierendsten ist wohl aber die Architektur der Stadt. Die Walled City hat aufgrund ihrer Grenzen in die Breite einfach in die Höhe gebaut und so wurden auf fertige Häuser einfach nochmal Wohneinheiten obendrauf gebaut. Die ungefähr 350 Bauten wurden in höheren Etagen durch Brücken, Stege und Treppen verbunden, überall waren Stromkabel neben tropfenden Wasserleitungen verlegt und die Straßen und Gassen ab Boden der Stadt erreichte kein Tageslicht mehr. Lediglich das Yamen, ein Gemeindezentrum in der Mitte Kowloons wurde als ‚Lichtblick‘ nicht weiter bebaut.

Die teuersten Wohnungen
Versorgungskabel
1987 wurde beschlossen, die als Schandfleck geltende Stadt abzureißen, bis 1992 wurde geräumt, ab 1993 abgerissen. Seit 1995 liegt hier der Kowloon Walled City Park, ein starker Kontrast aus Wiese und freier Fläche, lediglich ein paar historische Artefakte sowie ein Museum zur Geschichte Hak Nams erinnern hier noch an das einmal Gewesene.


Neon- statt Tageslicht
Kowloon Walled City Park
Die Stadt gilt als Inspiration für Künstler und Filmschaffende, so wurde die Stadt oft auf Leinwand gebannt und galt als szenisches Vorbild für Filme wie die letzten beiden Batman Teile, sowie das düstere und futuristische Science Fiction Epos Blade Runner aus den 80er Jahren. Auch auf mich hat die ‚Stadt der Dunkelheit‘ einen bleibenden Eindruck hinterlassen und irgendwann, wenn ich mich ihrer Strukturen gewachsen fühle, werde ich versuchen das, wie viele vor mir, auf Leinwand zu bannen.

Szene aus Blade Runner
                                         

#2 - 10000 Wege

Nach all den Irrungen und Wirrungen die das Leben so macht muss ich mich fragen, ob das eventuell Schicksal oder Fügung ist. Ob auf Gutes immer Schlechtes folgt, auf Schlechtes dann aber auch wieder Gutes. In wie fern ist man durch sein eigenes Handeln an allem beteiligt, zu 100%? Für einen spirituellen, einen religiösen Menschen sind diese Fragen relativ klar zu beantworten, Für einen knallharten Realisten auch – für einen Buddhisten folgt auf Gutes sowieso grundsätzlich wieder Gutes. Was ist aber mit denen, die irgendwo  dazwischen stehen, die in respektvoller Ruhe am Grab ihrer Verwandten stehen und gleichzeitig abends fleißig den klugen Worten Dr. Harald Leschs lauschen? Insofern haben religiöse Menschen ein wenig recht, wenn sie von verlorenen Seelen sprechen, sie werden durch keinen glauben gefüllt und von wenig Spiritualität gefestigt, sie füllen sich nur mit den eigenen Erfahrungen, den eigenen Sinneseindrücken und bauen darauf auf. Eventuell fühlt sich das manchmal bedrohlich an, als erwachsener Mensch ist man für so viele Dinge eigenverantwortlich, da ist es schön, wenn einem wenigstens etwas von den Schultern genommen wird, das ist hier aber nicht der Fall. So kann ich mich fragen, ob ich es eventuell schwerer habe, ob ich mit mehr fertig werden muss und mehr Belastung standhalten muss, das wäre wohl aber zu einfach. Ob man eher zögerlich ist, zum Verdrängen neigt oder ausspricht, was man sagen möchte, das ist eine Eigenschaft des Charakters und der bildet sich bei allen einzig durch die Lebenserfahrung. 

Ich habe also keine Antwort auf meine Frage und der Sinn des Lebens scheint sowieso nur das Leben an sich  zu sein (oder 42, Ansichtssache)  – wobei man das ‚nur‘ nicht zu wörtlich verstehen sollte. Ich habe aber wohl die Möglichkeit bis zu einem gewissen Grad die positiven oder negativen Einflüsse auf mein Leben zu steuern (ein Privileg, nicht jeder auf dieser Welt kann das), und das ist völlig individuell auf mein Leben bezogen. Je früher man lernt, oder sich damit befasst zu lernen in welche Richtung man zu gehen hat, bzw. frühzeitig erkennt wo man eventuell falsch liegt, desto eher sind die seismischen Ausschläge nach oben oder unten geringer, die kleinen Erdbeben weniger aus der Bahn werfend. Das mag sehr nach einem mediokeren Lebensweg klingen, eine gewisse Stabilität ist in meinen Augen aber nicht falsch, das heißt ja nicht, dass man nicht 6 Monate durch Südamerika reisen kann, das heißt nur, das man sich einen Hafen baut, was auch immer das dann für einen selbst bedeuten mag. 


#1 - Die Analyse des Beginnens

Für mich alleine zu schreiben empfand ich schon immer als seltsam, oft habe ich meine Tagebücher weggeschmissen oder Seiten, die mir später nicht mehr gefielen, rausgerissen. Mir gefiel das Niveau nicht mehr, ich empfand mein vor manchmal nur 2 Monaten geschriebenes als dumm, als aus einer unzurechnungsfähigen Emotion heraus geschriebenes Dokument, welches nicht notwendiger Weise hätte dokumentiert werden müssen.
Da ich das Gefühl habe, dass sich diese dämlich-impulsive Art auch manchmal auf meine Taten im Leben beziehen, ich auch hier überlegter und vorrauschauender werden will – und sollte, mache ich meine Denkergüsse nun öffentlich. Das zwingt ungemein zum überlegten Schreiben und dadurch eventuell schon vorher zum überlegten Handeln. Welch kühner Plan!

In wie fern mein Vorhaben mit eventueller Geltungssucht zu tun hat kann und will ich erst einmal nicht ergründen. Man muss ja auch nicht alles in Frage stellen, bzw. das wäre wohl zu anstrengend (Notiz an mich: In Zukunft zu flache semi-tiefenpsychologische Gedankengänge versuchen zu vermeiden).

In diesem Sinne wünsche ich mir viel Spaß beim Schreiben!