Vor ungefähr zwei Jahren habe ich nicht zum ersten und
absolut auch nicht zum letzten Mal meinen wertvollen Schlaf gegen das Internet
eingetauscht. Und wie ich nun surfte durch finstere Nacht – ein Fenster sich
hat aufgemacht. Ich muss das in Anlehnung an den wunderbaren Theodor Storm
formulieren, denn genauer rekonstruieren kann ich meine Begegnung mit dieser
ehemaligen Stadt nicht.
Ich fand nun also mitten in der Nacht heraus, dass es eine Stadt gab, besser gesagt, einen Stadtteil auf Hong Kongs Halbinsel Kowloon: Hak Nam, Stadt der Dunkelheit – oder besser bekannt als Kowloon Walled City, die eingemauerte Stadt.
Ich fand nun also mitten in der Nacht heraus, dass es eine Stadt gab, besser gesagt, einen Stadtteil auf Hong Kongs Halbinsel Kowloon: Hak Nam, Stadt der Dunkelheit – oder besser bekannt als Kowloon Walled City, die eingemauerte Stadt.
Die Geschichte dieser Stadt ist ebenso bewegt wie
außergewöhnlich, ursprünglich als chinesischer Militärposten gedacht,
avancierte dieser nur 0,025
Quadratkilometer große Flecken Erde zum am dichtesten besiedelten Lebensraum
der Welt. Kurz vor ihrem Abriss, 1993, schätzte man ihre Einwohnerzahl auf
mindestens 33000 Einwohner – das entspricht einer Bevölkerungsdichte von 1,3
Mio. Einwohner auf einen einzigen Quadratkilometer. Das Gesetzt Chinas, bzw.
Hong Kongs galt hier nicht (keine Steuern) und die Gesetzeslosigkeit sowie mafiöse
Strukturen der Triaden waren hier normal.
Die Stadt beherbergte Ihre eigenen Kindergärten, Schulen, Bäckereien, Schlachtereien und was man in urbanen Strukturen eben noch so braucht. Hak Nam war im Grunde Autark.
Die Stadt beherbergte Ihre eigenen Kindergärten, Schulen, Bäckereien, Schlachtereien und was man in urbanen Strukturen eben noch so braucht. Hak Nam war im Grunde Autark.
Am faszinierendsten ist wohl aber die Architektur der Stadt.
Die Walled City hat aufgrund ihrer Grenzen in die Breite einfach in die Höhe
gebaut und so wurden auf fertige Häuser einfach nochmal Wohneinheiten obendrauf
gebaut. Die ungefähr 350 Bauten wurden in höheren Etagen durch Brücken, Stege
und Treppen verbunden, überall waren Stromkabel neben tropfenden Wasserleitungen
verlegt und die Straßen und Gassen ab Boden der Stadt erreichte kein Tageslicht
mehr. Lediglich das Yamen, ein Gemeindezentrum in der Mitte Kowloons wurde als ‚Lichtblick‘
nicht weiter bebaut.
| Die teuersten Wohnungen |
| Versorgungskabel |
1987 wurde beschlossen, die als Schandfleck geltende Stadt
abzureißen, bis 1992 wurde geräumt, ab 1993 abgerissen. Seit 1995 liegt hier
der Kowloon Walled City Park, ein starker Kontrast aus Wiese und freier Fläche,
lediglich ein paar historische Artefakte sowie ein Museum zur Geschichte Hak
Nams erinnern hier noch an das einmal Gewesene.
Die Stadt gilt als Inspiration für Künstler und Filmschaffende,
so wurde die Stadt oft auf Leinwand gebannt und galt als szenisches Vorbild für
Filme wie die letzten beiden Batman Teile, sowie das düstere und futuristische
Science Fiction Epos Blade Runner aus den 80er Jahren. Auch auf mich hat die ‚Stadt
der Dunkelheit‘ einen bleibenden Eindruck hinterlassen und irgendwann, wenn ich
mich ihrer Strukturen gewachsen fühle, werde ich versuchen das, wie viele vor
mir, auf Leinwand zu bannen.
| Szene aus Blade Runner |
oh wow. Das klingt ja echt total absurd.
AntwortenLöschenEinerseits ein Glück, dass Menschen nicht mehr unter diesen Umständen Leben müssen, aber andereseits Schade, dass man sich das selber nicht mal vor Augen führen konnte. Aber wow. Bin immer noch total Baff.
Sehr beeindruckend. Ich frage mich, was aus den ganzen Menschen dort wurde? ZwangsUmzug oder einfach rausgeschmissen...?Mh.
Mehr solcher EINTRÄGE!!!
So interesting! :)
AntwortenLöschenDie Bewohner wurden 1987 über den Abriss informiert, außerdem gab es eine 24-Stündige militärische Eingrenzung der Stadt, in dieser Zeit haben sie alle Geschäfte sowie Einwohner registriert. Es wurden Entschädigungen angeboten und Wohnungen zur Verfügung gestellt, größtenteils wurde dies angenommen doch es gab auch rebellische Besetzter, die bis zur entgültigen Räumung eine art 'Kellercamp' betrieben haben. Das Camp wurde Zwangsgeräumt und der verbleib dieser Menschen ist unklar.
AntwortenLöschenDie finanzielle Entschädigung gab es auch nur, wenn man korrekt Buch über seine Geschäfte geführt hat, in dieser Umgebung eher untypisch, außerdem arbeiteten nur lizenzlose Ärzte, für sie gab es so auch keine Zukunft mehr.
Schlimmer sind, wie so oft, wohl auch eher die Einzelschicksale, jemand der 80 Jahre in so einer Welt lebte, hatte es schwer im modernen Hong Kong außerhalb der Walled City.
Der Abriss war auch mehr ein Stadtsanierungsprozess, die Kriminalität war auf dem Niveau der gesamten Halbinsel Kowloon, die Opiumhöhlen gab es kaum mehr und die Bewohner gingen längst Berufen außerhalb ihrer Stadt nach, sie wohnten oft nur noch wegen des Zusammenhalts Hak Nams dort, es war eben nicht anonym!